Moorbrand in Wales erreicht weltweit vierthöchste Kohlenstoffintensität: Unterirdischer Torf glimmt weiter

Moorbrand in Wales erreicht weltweit vierthöchste Kohlenstoffintensität: Unterirdischer Torf glimmt weiter

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Quellen:BBC + The Guardian

Brandgeruch in 48 Kilometern Entfernung und rote Anomalien auf Satellitenkarten

An einem Morgen Mitte August 2026 öffneten Anwohner im walisischen Cardiff ihre Fenster und blickten in eine dichte, brenzlig riechende Rauchwolke. Viele vermuteten zunächst ein Grillfest im Nachbargarten oder das Verbrennen von Stroh auf den nahegelegenen Feldern. Der Wetterdienst Met Office gab jedoch bald Entwarnung bzgl. lokaler Ursachen: Der Brandgeruch stammte von einem 48 Kilometer entfernten Hangbrand.

Ein Brand in der Grafschaft Torfaen in Wales – einer Region mit weniger als 100.000 Einwohnern – rückte die gewöhnlich feuchte Landschaft im Juli 2026 in das globale Rampenlicht. Über 4.000 Hektar Fläche – umgerechnet rund 5.600 Fußballfelder – standen in Flammen und Rauch.

Rauchwolken ziehen über verbrannte Hangflächen Abb.: Rauchwolken ziehen über verbrannte Hangflächen. Quelle: BBC / Stuart Baldwin SJB photography

Daten des Copernicus-Atmosphärenüberwachungsdienstes (Copernicus Atmosphere Monitoring Service, CAMS – der EU-Satellitendienst zur Überwachung der Luftqualität und CO₂-Emissionen) zeigten, dass die CO₂-Emissionsintensität pro Quadratkilometer beim Brand in Torfaen im Juli weltweit an vierter Stelle lag. Dieser Wert wurde nur von Feuern in Malanje (Angola), Ávila (Spanien) und Annaba (Algerien) übertroffen. Die Überwachungsbehörde bezeichnete die Emissionswerte aus Torfaen als „äußerst ungewöhnlich“.

Das tausendjährige „Kohlenstoffkonto“ unter der Grasnarbe

Wie konnte eine dünn besiedelte walisische Hügelregion pro Flächeneinheit mehr CO₂ ausstoßen als viele globale Schwerindustriegebiete? Die Antwort liegt in den Bodenschichten. Das Feuer verbrannte nicht nur Bäume und Gras an der Oberfläche, sondern erfasste auch tief gelegene Torfböden.

Torf (peat – über Jahrtausende unter Sauerstoffmangel in Feuchtgebieten unvollständig zersetzte Pflanzenreste) besitzt eine extrem hohe Kohlenstoffdichte. Die Torfgebiete Großbritanniens speichern mehr als die Hälfte des gesamten im britischen Boden gebundenen Kohlenstoffs – insgesamt über 3 Milliarden Tonnen. Der von Pflanzen über Jahrtausende hinweg durch Photosynthese aufgenommene Kohlenstoff blieb in diesen feuchten unterirdischen Schichten langfristig gebunden.

Soldaten schlagen Brandschneisen zur Ausbreitungsverhinderung Abb.: Soldaten schlagen Brandschneisen zur Ausbreitungsverhinderung. Quelle: The Guardian / Adrian Sherratt

Die Bildung von Torfschichten verläuft extrem langsam; meist dauert es über tausend Jahre, bis sich eine ein Meter dicke Schicht ansammelt. Eine 2025 von der Universität Cambridge veröffentlichte Studie zeigt: Wenn extreme Hitzewellen und Dürren diese ausgetrockneten Torfmoore entzünden, kann der durch die Torfverbrennung freigesetzte Kohlenstoff die weltweiten Gesamtemissionen aus Wald- und Flächenbränden verdoppeln.

Warum unterirdische Brände selbst nachts nicht abkühlen

Die Löscharbeiten gestalteten sich außergewöhnlich schwierig. Jamie Windsor, Kommandant der nahegelegenen Feuerwehrstation Ebbw Vale, betonte, dass er in seiner 30-jährigen Laufbahn noch nie mit einem solchen Brand konfrontiert war.

Herkömmliche Waldbrände breiten sich hauptsächlich an der Oberfläche aus und schwächen sich nachts ab, wenn die Temperaturen sinken und die Luftfeuchtigkeit steigt. Torfbrände hingegen zeigen das Phänomen der tiefen Schwelverbrennung (smoldering combustion – ein flammenloses, langsames Verbrennen im Inneren sauerstoffarmer, hochtemperierter Torfschichten).

Hubschrauber kühlen wiederholt aufflammende Glutnester Abb.: Hubschrauber kühlen wiederholt aufflammende Glutnester. Quelle: The Guardian / Adrian Sherratt

Wenn die Feuerwehr große Mengen Wasser auf die Oberfläche pumpt, gelangt die Feuchtigkeit kaum in die metertiefen, dichten Torfschichten. Selbst wenn Oberflächenflammen gelöscht sind, glimmt der Torf in Jahrzehnten Zentimeter Tiefe bei mehreren Hundert Grad Celsius weiter. Nach Tagen des unterirdischen Schwelens bricht das Feuer Dutzende Meter entfernt erneut an der Oberfläche aus.

Vom Militäreinsatz bis zur Atemnot: Eine Feuerprobe unter den Füßen

Der Ende Juli ausgebrochene Brand zog sich bis Mitte August hin und belastete die lokalen Rettungsdienste extrem. Die Zahl der 999-Notrufe beim Feuerwehrdienst von Süd-Wales stieg von durchschnittlich 1.000 pro Woche auf schlagartig 7.000 an.

Das britische Verteidigungsministerium setzte erstmals seit 2018 wieder Streitkräfte zur Bekämpfung von Flächenbränden im Inland ein. Soldaten des Gurkha-Logistikregiments rückten aus, um Schneisen im Gelände zu schlagen und das Übergreifen der Flammen zu verhindern.

Der dichte Rauch stellte zudem ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Janet Jones, Kommunalpolitikerin im Ort Blaenavon (Torfaen), äußerte große Sorge über die Luftqualität. Insbesondere für ältere Menschen mit COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease – chronisch blockierende Lungenerkrankung) sowie für Kinder mit noch nicht voll entwickelten Atmungsorganen stellte die hohe Feinstaubbelastung eine unmittelbare Gefahr dar.

Wenn Kohlenstoffspeicher plötzlich zu Großemittenten werden

Im Sommer 2026 wurde für ganz Wales und fast drei Viertel Englands offiziell der Dürrezustand ausgerufen. Das britische Met Office prognostizierte, dass dieser Sommer sehr wahrscheinlich als einer der heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Geschichte eingehen wird.

Die Dürre trocknete die einst feuchten Torfgebiete vollständig aus. Bei extremen Temperaturen genügt ein einziger Funke, um den jahrtausendealten unterirdischen Kohlenstoffspeicher zu entzünden.

Der Brand in Torfaen offenbart ein alarmierendes Phänomen: Flächenbrände zerstören nicht nur Wälder und Häuser an der Oberfläche, sondern setzen den seit Jahrtausenden im Boden gebundenen Kohlenstoff innerhalb weniger Wochen wieder in die Atmosphäre frei. Sobald der Schutz der Feuchtgebiete durch Hitze und Dürre kollabiert, verwandelt sich der natürliche Kohlenstoffspeicher schlagartig in eine riesige CO₂-Emissionsquelle.

Weiterführende Links:

  • BBC-Bericht: Moorbrand in Torfaen (Wales) und CO₂-Emissionsüberwachung
  • The Guardian-Bericht: Brandbekämpfung in Südwales und Militäreinsatz