44 Stunden gegenüber 31 Stunden. In den offiziellen technischen Daten des iPhone Duo weist Apple eine bemerkenswerte Diskrepanz bei der Videowiedergabe aus. Zugeklappt über das Außendisplay erreicht das Gerät Laufzeiten auf dem Niveau klassischer Flaggschiff-Smartphones; wird jedoch das 7,8 Zoll große flexible Innendisplay entfaltet, sinkt die Wiedergabedauer schlagartig um 13 Stunden.
Mit dem Beginn der Vorbestellungsphase reichte Apple bei den EU-Regulierungsbehörden das vorgeschriebene Produktdatenblatt unter der Modellnummer A3720 ein. Dieses behördliche Dokument legt erstmals die Nennkapazität des ersten Foldables von Apple offen: 4.883 mAh. Der aus zwei separaten Zellen zusammengesetzte Akku definiert das energetische Fundament von Apples faltbarem Debüt.
Foto: Das iPhone Duo im aufgeklappten und geschlossenen Zustand; links und rechts des Scharniers sitzt jeweils eine asymmetrische Akkuzelle. Quelle: 9to5Mac.
EU-Dokument A3720 entschlüsselt: 4.883 mAh als weltweiter Standard
Traditionell verzichtet Apple bei Keynotes auf exakte Angaben zur Akkukapazität in Milliamperestunden. Die novellierten EU-Ökodesign-Vorgaben für Smartphones brechen nun mit dieser Praxis. Das behördliche Datenblatt führt die vollständigen Messergebnisse für das Modell A3720 auf: Das Gerät erzielt die Energieeffizienzklasse A und erreicht eine Nennbetriebsdauer von 51 Stunden und 30 Minuten pro Ladezyklus.
Die Kapazität von 4.883 mAh gilt weltweit ohne regionale Einschränkungen. Apple verzichtet beim iPhone Duo weltweit auf einen physischen SIM-Kartenschacht und setzt durchgängig auf eine reine eSIM-Architektur. Frühere Kapazitätsunterschiede zwischen US- und Überseemodellen, die auf den Raumbedarf des SIM-Schachts zurückzuführen waren, gehören bei diesem Faltgerät der Vergangenheit an. Kunden weltweit erhalten exakt die gleiche 4.883-mAh-Zellenkonfiguration.
Im Langlebigkeitstest bescheinigt das Dokument über 1.000 Ladezyklen unter Standardbedingungen – ein Haltbarkeitswert auf Augenhöhe mit der iPhone 18 Pro-Serie. Die offizielle Bestätigung der 4.883 mAh schafft ein einheitliches Fundament für den Energieverbrauch von Apples erstem Falt-Smartphone.
2.962 mAh treffen auf 1.921 mAh: 60:40-Aufteilung löst das Schwerpunkt-Problem
Die Konformitätsunterlagen bestätigen vorangegangene Berichte aus der Zuliefererkette: Bei den 4.883 mAh handelt es sich nicht um einen einzelnen Sonderakku, sondern um zwei autarke Zellen mit 2.962 mAh und 1.921 mAh. Das Volumenverhältnis zwischen den beiden Gehäusehälften beträgt annähernd 60 zu 40, was einer Kapazitätsdifferenz von über 1.000 mAh entspricht.
Die Ursache für diese Asymmetrie ist der interne Bauraumkonflikt. In der rechten Gehäusehälfte bringt Apple das Dual-48-Megapixel-Kameramodul, mechanische Sensor-Shift-Stabilisatoren und das Haupt-Logicboard mit dem im 2-nm-Verfahren gefertigten A20-Chip unter. Die dichte Komponentenanordnung verknappte den verfügbaren Bauraum drastisch und reduzierte die Akkukapazität auf dieser Seite auf 1.921 mAh. Die linke Gehäusehälfte hingegen, frei von sperrigen Kameramodulen und dem Hauptprozessor, bot ausreichend Platz für eine 2.962 mAh starke Zelle.
Diese Verteilung optimiert die Gewichtsbalance im Alltag. Hält man ein aufgeklapptes Foldable mit einer Hand, erzeugt eine unausgewogene Massenverteilung schnell ein unangenehmes Drehmoment. Der schwerere Akku auf der linken Seite wirkt dem Eigengewicht des Kamerasystems und des Mainboards auf der rechten Seite direkt entgegen. Die 60:40-Aufteilung der Zellen meistert somit zwei bauliche Hürden gleichzeitig: extreme Bauraumknappheit und spürbare Schwerpunktdisbalancen bei einhändiger Nutzung.
Foto: Scharnier und Randkonstruktion des iPhone Duo im Detail; die kompakte Innenarchitektur beschränkte die Dicke der einzelnen Akkuzellen. Quelle: 9to5Mac.
Außenbildschirm 44 Stunden, Innenbildschirm 31 Stunden: Großes OLED verbraucht 30 % mehr Energie
Das Doppelzellen-Paket liefert je nach Betriebsmodus sehr unterschiedliche Ergebnisse. Bei der Videowiedergabe auf dem Außendisplay reichen die 4.883 mAh für beachtliche 44 Stunden. Dieser Wert liegt nur eine Stunde hinter dem iPhone 18 Pro Max mit seinem gigantischen 5.567-mAh-Akku und übertrifft die 36 Stunden des regulären iPhone 18 Pro deutlich.
Beim Aufklappen wendet sich das Blatt spürbar. Auf dem 7,8 Zoll großen flexiblen Innenbildschirm verkürzt sich die ununterbrochene Videowiedergabe auf 31 Stunden. Dieser Rückgang um 13 Stunden entspricht einem Mehrverbrauch von fast 30 % im Tablet-Modus. Damit bleibt die Laufzeit im aufgeklappten Zustand nicht nur hinter dem iPhone 18 Pro zurück, sondern unterbietet selbst das zwei Jahre alte iPhone 16 Pro Max (4.685 mAh).
Die leuchtende Fläche des flexiblen OLED-Panels ist mehr als doppelt so groß wie die des Außenbildschirms. Selbst mit den hardwareseitigen Optimierungen des A20-Chips – darunter eine eigenständige Display-Engine und adaptive Bildwiederholraten – lässt sich der rein physikalische Mehrverbrauch der vergrößerten Leuchtfläche nicht kompensieren. Die Differenz zwischen 44 Stunden außen und 31 Stunden innen macht das iPhone Duo zu einem Zwitterwesen zwischen ausdauerndem Smartphone und stromhungrigem Kompakt-Tablet.
Zwischen Pro und Pro Max: Verzicht auf 5.500 mAh sichert das 8,9-mm-Profil
Im Vergleich zum restlichen iPhone-Portfolio positioniert sich das Duo mit 4.883 mAh exakt zwischen den beiden Pro-Modellen. Die Kapazität liegt 14 % über der des iPhone 18 Pro (4.288 mAh) und 12 % unter der des iPhone 18 Pro Max (5.567 mAh). Im Android-Lager übertrifft das Duo das Samsung Galaxy Z Fold 7 (4.400 mAh) und liegt in Schlagdistanz zum Google Pixel 10 Pro Fold (5.015 mAh).
Frühe Prototypen aus der Lieferkette hatten Berichten zufolge Akkus zwischen 5.400 mAh und 5.800 mAh getestet. Das Entwicklungsteam verwarf diese Varianten jedoch. Ein 5.500-mAh-Akku hätte die Gehäusedicke im geöffneten Zustand über die 5-mm-Marke getrieben, im zusammengeklappten Zustand die kritische Grenze von 10 mm überschritten und das Gesamtgewicht in Richtung 270 Gramm katapultiert.
In der Tech-Community löste diese Entscheidung Diskussionen aus. Einige Vorbesteller bemängeln, dass ein Gerät für 1.999 US-Dollar für anspruchsvolle Produktivitätsaufgaben mindestens 5.000 mAh mitbringen sollte. Befürworter halten dagegen, dass eine geschlossene Bauhöhe von unter 8,9 mm und ein handliches Gewicht im Alltag wertvoller seien als zwei zusätzliche Stunden Display-Laufzeit. Durch den Verzicht auf 5.500 mAh sicherte Apple die entscheidende Grenze für ein hosentaschentaugliches Falt-Smartphone.
Reparierbarkeits-Score von 2,65: Verklebte Doppelzellen erschweren Wartung
Die europäischen Vorschriften verlangen neben den Akkukapazitäten auch standardisierte Reparierbarkeitsindizes. Das iPhone Duo erreicht hier lediglich 2,65 von 5 möglichen Punkten und fällt damit in die Bewertungsklasse C. Bei der Lösbarkeit von Verbindungselementen wurden nur 2,24 Punkte erzielt, bei den Anforderungen an Spezialwerkzeuge sogar nur 1,12 Punkte.
Diese niedrigen Werte spiegeln den hohen Wartungsaufwand der geteilten Akku-Architektur wider. Beide Akkuzellen sind im jeweiligen Mittelrahmen fest verklebt, während empfindliche Flachbandkabel durch das Scharniermodul geführt werden. Ein Akkutausch erfordert das Lösen wasserfester Klebedichtungen und das vorsichtige Abziehen mehrerer flexibler Leiterplatten (FPCs). Bei Reparaturen außerhalb autorisierter Werkstätten besteht ein erhebliches Risiko, das Falt-Display oder das Scharnier zu beschädigen.
Auch die mechanischen Falltests im EU-Bericht setzen klare Grenzen: Zugeklappt überstand das Gerät mehr als 140 Falltests ohne funktionale Beeinträchtigung; mit entfaltetem Innenbildschirm sank die Zahl schadloser Stürze jedoch rapide auf 35. Ein Reparierbarkeitswert von 2,65 und die erhöhte Stoßempfindlichkeit im geöffneten Zustand verdeutlichen, dass Reparaturen und Instandhaltungen mit höherem Aufwand verbunden sind.
Die 4.883-mAh-Doppelzelle des iPhone Duo spiegelt den aktuellen Stand von Apples Falt-Smartphone-Entwicklung treffend wider. Die asymmetrische Konstruktion schafft den Ausgleich zwischen einem großflächigen Arbeitsbereich im aufgeklappten Zustand und einem schlanken Profil im Alltag. Mit dieser Mittelposition zwischen Pro und Pro Max setzt Apple einen klaren Maßstab für künftige Generationen faltbarer Hardware.
Weiterführende Quellen:
- Apple EU-Datenblatt zur Energieverbrauchskennzeichnung (A3720 Product Information Sheet)
- 9to5Mac Detaillierter Vergleichsbericht
- MacRumors Nachrichtenberichterstattung