Sunlu rüstet Bambu Lab AMS Lite auf: 130-Dollar-Heizkammer spart Platz auf der Werkbank

Sunlu rüstet Bambu Lab AMS Lite auf: 130-Dollar-Heizkammer spart Platz auf der Werkbank

3D-DruckSunluBambu LabHardware-Test

Quellen:Make: + 3DBite + Makers101

Am 20. Oktober 2026 veröffentlichte Craig Couden im US-Magazin Make: einen ausführlichen Praxistest des Filamentheizers von Sunlu für das AMS Lite. Das Zubehörset wird zum Testzeitpunkt für 130 US-Dollar geführt (regulärer Preis im nordamerikanischen Onlineshop: 119,99 Dollar; Early-Bird-Preis für die ersten 200 Einheiten beim Marktstart am 20. Juli: 99,99 Dollar). Es richtet sich gezielt an den offenen Vierfach-Spulenhalter AMS Lite der 3D-Drucker Bambu Lab A1 und A1 Mini. Maker können ihren bestehenden Standfuß weiterverwenden und die vier frei liegenden Spulen in eine aktive 70-°C-Wärmekammer einhausen.

Bambu Lab hat mit der A1-Serie den Mehrfarbendruck im Einsteigersegment etabliert, doch das offene AMS Lite setzt das Filament ungeschützt der Raumfeuchtigkeit aus. Bisherige Notlösungen erforderten entweder klobige externe Trockenboxen mit störenden Führungsschläuchen oder den teuren Umstieg auf geschlossene High-End-Zuführungen. Sunlu schließt diese Marktlücke mit einem modularen Sandwich-Gehäuse: Es ermöglicht das Trocknen direkt während des Druckens, ohne die ursprüngliche Standfläche auf dem Schreibtisch zu vergrößern.

Sunlu AMS Lite Filamentheizer neben Bambu Lab A1 3D-Drucker auf dem Tisch Abbildung: Der umgebaute Sunlu-Heizer steht rechts neben dem Bambu Lab A1; das Display an der Oberseite zeigt Temperatur und Luftfeuchtigkeit in Echtzeit an, während die Standfläche der Originalhalterung entspricht. Quelle: Foto von Craig Couden (via Make:).

Sandwich-Umbau nutzt Originalhalterung und trennt Stromkreise

Übliche Vierfach-Trockenboxen sind oft sehr sperrig. Sunlus eigene Trockenbox FilaDryer S4 misst 460×220×310 Millimeter und erfordert vier zusätzliche PTFE-Schläuche quer über den Arbeitsbereich. Beim AMS-Lite-Heizer verzichtet Sunlu auf ein externes Gehäuse und setzt auf ein integriertes Nachrüstkonzept. Für die Montage werden wenige Schrauben gelöst, der originale Standfuß in zwei Hälften getrennt, das Heizmodul in der Mitte verschraubt und zwei interne Verbindungskabel eingesteckt.

Im Praxistest von Couden zeigten sich leichte Toleranzen bei zwei Schraubenlöchern sowie eine etwas fummelige Montage einer Kunststoffblende; die Originalkomponenten bleiben jedoch vollständig intakt. Die originalen Vorschubmotoren, die Vierkanal-Wechseleinheit und die RFID-Lesemodule für Bambu-Lab-Spulen verbleiben an Ort und Stelle. Nach dem Umbau entspricht der Platzbedarf nahezu exakt dem serienmäßigen AMS Lite.

Besonders durchdacht ist die Trennung der Stromversorgung. Die Schrittmotoren und die Hauptplatine des AMS Lite werden weiterhin direkt vom 3D-Drucker versorgt, während das PTC-Heizelement (Kaltleiter) von Sunlu über ein separates Netzkabel läuft. Bezogen auf die Spezifikationen vergleichbarer Sunlu-AMS-Heizer liegt die Nennleistung bei 220 W, die Spitzenleistung bei 390 W und der Standby-Verbrauch bei sparsamen 0,6 W. Die integrierte Sandwich-Konstruktion und die entkoppelten Stromkreise schonen den Arbeitsplatz und erhalten die Zufuhr; Trocknen bei ausgeschaltetem Drucker und unbeeinflusstes Drucken ohne Heizung schließen sich nicht mehr gegenseitig aus.

70-°C-Obergrenze mit sechs Profilen und automatischer 50-%-Feuchtigkeitsüberwachung

Bei kurzen Druckaufträgen mit PLA fallen die Nachteile offener Spulen kaum ins Gewicht. Zieht sich ein Druck jedoch über Dutzende Stunden hin oder kommen hygroskopische Materialien wie PETG und PA (Nylon) zum Einsatz, zieht das offen liegende Filament rasch Wasser. Trifft feuchtes Material auf die heiße Düse, verdampft das eingeschlossene Wasser schlagartig – die Folge sind Fadenbildung (Stringing), Blasen, ungleichmäßige Extrusion und schlechte Schichthaftung. Passives Kieselgel verzögert die Feuchtigkeitsaufnahme lediglich, kann jedoch einmal im Polymer gebundenes Wasser nicht wieder austreiben.

Auf der Oberseite des Sunlu-Heizers sitzt ein Bedienfeld mit Display, das sechs Voreinstellungen für PLA, PETG, TPU, ABS, PA und PC bietet. Anwender können die Temperatur stufenlos zwischen 35 °C und 70 °C anpassen und die Zielfeuchtigkeit auf 25 % bis 50 % einstellen. Nach gängigen Empfehlungen benötigt PLA 4 bis 6 Stunden bei 45 °C–55 °C, PETG 65 °C und ABS 60 °C–70 °C. Die Obergrenze von 70 °C deckt die Anforderungen gängiger Standard- und Funktionsfilamente zuverlässig ab.

Vergleich der Oberflächenqualität von transparentem PETG vor und nach dem Trocknen Abbildung: Testdrucke mit transparentem PETG von Polymaker; links ungetrocknet, rechts im Heizer getrocknet. Die Reduzierung von Bläschen hängt von der umgebenden Luftfeuchtigkeit ab. Quelle: Foto von Craig Couden (via Make:).

Um Temperaturunterschiede zwischen den vier Spulen zu vermeiden, leitet ein Zweikanal-Lüftungssystem erwärmte Luft synchron nach links und rechts; 70 °C werden in rund 20 Minuten erreicht. Ein integriertes Entfeuchtungsventil führt feuchte Luft während des Betriebs direkt nach außen ab, damit die Feuchtigkeit nicht im Gehäuse zirkuliert. Der Timer läuft standardmäßig 6 Stunden und lässt sich auf bis zu 99 Stunden verlängern. Steigt die Kammerfeuchtigkeit nach Ablauf der Zeit wieder auf 50 % an, schaltet sich die Heizung automatisch wieder ein. Die Zweikanal-Belüftung und die automatische Reaktivierung bei 50 % Feuchtigkeit machen die Filamentpflege zu einem wartungsfreien Dauerbetrieb.

Einkammer-Kollision bei Mischbestückung und knapper Spielraum für PTFE-Schläuche

Im realen Werkstattalltag zeigt das kompakte Konzept jedoch auch konstruktive Grenzen auf. Couden testete in der relativ trockenen San Francisco Bay Area vier Materialien: Polymaker PETG, Bambu Lab PETG HF, Polymaker PLA Pro und Sunlu PLA+ 2.0. Unter den dortigen Bedingungen fielen die visuellen Unterschiede vor und nach dem Trocknen moderat aus. Der Nutzen aktiver Inline-Trocknung entfaltet sich vor allem in feuchten Jahreszeiten oder Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit.

Schwieriger wiegt der Temperaturkonflikt bei gemischter Bestückung. Viele Maker bestücken die vier Plätze gleichzeitig mit unterschiedlichen Materialien, etwa PLA und PETG. Da der Sunlu-Heizer alle vier Spulen in einer gemeinsamen Kammer unterbringt, fehlt eine getrennte Zonenregelung. Startet man einen 65-°C-Trocknungsvorgang für PETG, wird das im selben Raum gelagerte PLA weich und verklebt auf der Spule. Zudem empfiehlt Bambu Lab für PC-Filament eine achtstündige Trocknung im Umluftofen bei 80 °C; das 70-°C-Limit des Heizers und der offene Bauraum des A1 setzen anspruchsvollen technischen Kunststoffen enge Grenzen.

Geöffnete Seitenklappe des Sunlu AMS Lite Heizers mit PTFE-Schlauchkollision Abbildung: Die transparenten Seitenklappen klappen nach unten auf. Aufgrund der kurzen serienmäßigen PTFE-Schläuche von Bambu Lab stößt die dem Drucker zugewandte Klappe an, sodass das Gerät zum Spulenwechsel gedreht werden muss. Quelle: Foto von Craig Couden (via Make:).

Auch die Ergonomie verlangt Zugeständnisse. Die transparenten Seitenklappen klappen nach unten weg, was seitlich freien Schreibtischplatz erfordert. Bedingt durch die ab Werk kurzen PTFE-Schläuche von Bambu Lab bleibt die dem Drucker zugewandte Klappe an den Schläuchen hängen. Vor jedem Spulenwechsel muss die gesamte Einheit auf dem Tisch gedreht werden. Das Fachmagazin Fabbaloo maß im Betrieb zudem einen Geräuschpegel von über 50 dB im Abstand von einem Meter. Positiv fallen das handwarm bleibende Außengehäuse, magnetische Türsensoren und eine automatische Abschaltung bei 10 °C Übertemperatur auf. Die gemeinsame Heizzone schränkt Mischbestückungen ein, während nach unten öffnende Klappen und kurze Schläuche den Spulenwechsel auf beengten Tischen erschweren.

Zwischen Standalone-Trockner und Neugerät: Warum Bestandskunden am meisten profitieren

Mit einem Preispunkt von 120 bis 130 US-Dollar nimmt das Sunlu-Produkt eine interessante Mittelstellung im Zubehörmarkt ein. Für den Feuchtigkeitsschutz bei Mehrfarbensystemen gibt es derzeit drei Ansätze:

TrocknungslösungRichtpreis (USD)Wichtigste TemperaturmerkmalePlatzbedarf & Kompatibilität
Sunlu AMS Lite Heizer119.99–130.0035–70 °C, 2 Lüftungskanäle, 50 % Auto-StartOriginalfläche bleibt erhalten; nur für AMS Lite; kein Materialmix mit stark abweichenden Temperaturen.
Sunlu FilaDryer S4116.99Bis 70 °C, 350 W PTC, 3 Lüfter460×220×310 mm Stellfläche, Schläuche nötig; universell für viele Marken einsetzbar.
Bambu Lab AMS 2 Pro149.00–180.00Integriertes aktives Heizen, optimierte Zufuhr & RFIDErsetzt das komplette Zuführsystem; vorhandenes AMS Lite wird überflüssig.

Aus dieser Aufstellung ergeben sich klare Empfehlungen. Neueinsteiger in den Mehrfarbendruck oder Anwender, die ihr Zuführsystem komplett erneuern möchten, fahren mit einem Aufpreis von 20 bis 50 Dollar für das integrierte Bambu Lab AMS 2 Pro spürbar besser. Werkstätten mit mehreren Druckern unterschiedlicher Hersteller profitieren dagegen von der FilaDryer S4 Trockenbox für 116,99 Dollar, deren acht Zuführöffnungen eine herstellerübergreifende Flexibilität bieten.

Der Sunlu AMS Lite Heizer zielt passgenau auf Besitzer des bestehenden A1 Combo-Pakets. Deren AMS Lite funktioniert einwandfrei; sie möchten weder 180 Dollar für ein neues System ausgeben, das die alte Hardware ungenutzt zurücklässt, noch haben sie Platz für eine fast einen halben Meter breite Trockenbox. Derzeit ist das Nachrüstset in Nordamerika erhältlich, während Großbritannien, die EU und Australien noch auf Lieferungen warten. Für A1-Besitzer in Regionen mit feuchter Witterung, die regelmäßig dasselbe Material drucken, bleibt der 130-Dollar-Aufsatz der platzsparendste und pragmatischste Weg zu trockenen Filamenten.

Weiterführende Quellen:

  • Make: Magazine: Sunlu AMS Lite Filament Heater Review
  • 3DBite: Sunlu AMS Lite Heater: Active Drying Comes to the AMS Lite
  • Makers101: SUNLU AMS Lite Heater Price: Specs and Who Should Consider It
  • 3DJake: SUNLU AMS Heater Technical Specifications