Am 29. September 2026 bewertete das renommierte Reparaturportal iFixit die neu erschienenen AirPods 5 von Apple mit 2 von 10 Punkten auf der Reparierbarkeitsskala. In den vergangenen zehn Jahren verkaufte Apple jährlich fast 80 Millionen Paar kabellose Kopfhörer – und jede einzelne frühere AirPods-Generation war bei iFixit mit glatten 0 Punkten durchgefallen.
Jahrelang galten die AirPods als das Paradebeispiel für kurzlebige Wegwerf-Elektronik: War der integrierte Lithium-Ionen-Akku erschöpft, kam dies einem wirtschaftlichen Totalschaden gleich, und den Nutzern blieb nur der Neukauf. Auch wenn ein Score von 2 Punkten noch weit von einer einfachen Reparatur entfernt ist, markiert dieses Ergebnis eine unverkennbare Kehrtwende in Apples Hardware-Entwicklung.
Ein Föhn und eine Klemme befreien den Ohrhörer-Akku
Bei früheren Demontagen glich der Versuch, die Batterie aus einem AirPods-Ohrhörer zu entfernen, stets einer zerstörerischen Gewaltaktion: Das Kunststoffgehäuse musste aufgeschnitten oder irreversibel aufgeschmolzen werden. Die AirPods 3 besaßen zwar bereits Akkus mit festen Lötfahnen, doch aufgrund der massiven Verklebung benötigten Werkstätten Heißluftpistolen, aggressive Lösungsmittel und Spezialhalterungen, um das Gehäuse überhaupt zu öffnen – ein Vorgang, der auf keinem heimischen Küchentisch durchführbar war.
Bei den AirPods 5 hat Apple nun entscheidende Anpassungen am inneren Aufbau vorgenommen. Entlang der Nahtstelle rund um den Akustiktreiber wurde etwas mehr mechanischer Spielraum gelassen, und auch die Menge des verwendeten Klebstoffs wurde grundlegend neu kalkuliert.
Das Team von iFixit stellte fest, dass bereits die niedrige Heizstufe eines handelsüblichen Haartrockners ausreicht: Hält man gebührenden Abstand und bewegt den Luftstrom kontinuierlich, um Verformungen des Kunststoffs zu vermeiden, lässt sich das Gehäuse mithilfe einer einfachen Klemmvorrichtung sauber und ohne Beschädigung der Außenteile öffnen. Zieht man die Klebestreifen an den Seiten der Batterie ab, springt das Akkumodul mitsamt seinen metallenen Lötfahnen förmlich heraus.
Dass sich die wichtigste Verschleißkomponente nun mit einfachen Haushaltswerkzeugen demontieren lässt, holt eine ehemals Profi-Werkstätten vorbehaltene Reparatur direkt auf die private Werkbank.
Bild: Das vom Treiber getrennte Akkumodul mit Lötfahnen der AirPods 5. Quelle: iFixit
Physische Barrieren zwischen linkem und rechtem Akku
Die Entnahme des alten Akkus ist jedoch nur der erste Schritt; beim Einsetzen von Ersatzteilen offenbart sich eine weitere Hürde des Industriedesigns. Als iFixit versuchte, den intakten Akku des linken Ohrhörers probeweise in den rechten einzusetzen, verweigerte das Gerät den regulären Dienst. Die Begleit-App meldete zwar einen Ladevorgang, die Zelle ließ sich jedoch nicht vollständig aufladen.
Dahinter steckt allerdings keine softwareseitige Komponentensperre per Seriennummernabgleich. Ein genauer Blick auf beide Zellen zeigte vielmehr, dass Apple die elektrische Polarität von Plus- und Minuspol zwischen linkem und rechtem Ohrhörer schlicht vertauscht hat. Zudem weisen die Lötstifte einen minimalen seitlichen Versatz auf.
Indem die beiden Akkus als physisch inkompatible Bauteile konstruiert wurden, zwingt Apple Dritthersteller dazu, zwei getrennte Werkzeugformen zu finanzieren und separate Lieferketten für linke und rechte Ersatzakkus vorzuhalten.
Bild: Nach dem Erwärmen mit dem Föhn lassen sich Gehäuse und Platine sauber voneinander trennen. Quelle: iFixit
Hochintegrierte Hardware im Inneren des Schafts
Jenseits des Akkus bleibt der untere Teil des Ohrhörers extrem hochintegriert. Tief im Inneren des Stängels verbergen sich komplexe Sensoren und Chipsätze für die aktive Geräuschunterdrückung.
Äußerlich unverändert, beherbergen die AirPods 5 im Inneren ein fortschrittliches System-in-Package (SiP) der H2-Klasse. Dieser fingernagelgroße Chip bewältigt die rechenintensiven Aufgaben des Active Noise Cancelling (ANC) und steuert drei MEMS-Mikrofone – jeweils oben und unten am Schaft sowie im Inneren der Treiberkammer –, um Umgebungsgeräusche in Echtzeit zu neutralisieren.
Bei Modellen mit kabellosem Ladecase ist die Innenwand des Schafts zusätzlich mit einer kapazitiven Berührungssensorschicht überzogen. Diese empfindlichen Bauteile sind fest in den engen Röhrenraum eingepasst; im Fall eines Flüssigkeitsschadens bleibt ein modularer Einzeltausch weiterhin unmöglich.
Das Ladecase bleibt ein Totalschaden beim Öffnen
Die Zugeständnisse beim Design der Ohrhörer gelten jedoch nicht für das Ladecase. Angesichts des nahtlos verschweißten Gehäuses gelang es den Testern selbst mit professionellen Heißluftgebläsen und Hebelwerkzeugen nicht, ins Innere zu gelangen, ohne die Kunststoffhülle komplett zu zerstören.
Beim Versuch, an den großen Akku im Boden des Cases heranzukommen, splitterte das weiße Polycarbonatgehäuse an mehreren Stellen irreparabel, verbunden mit erheblichem Verletzungsrisiko durch abrutschende Werkzeuge. Der interne Aufbau setzt weiterhin auf flächige Kunststoff-Ultraschallschweißungen und verzichtet vollständig auf Schrauben, die einen Wiederzusammenbau ermöglichen würden.
Konkurrenzmodelle wie die Fairphone Fairbuds beweisen längst, dass sich austauschbare Ladecase-Akkus auch in Großserie problemlos realisieren lassen. Dass das Ladecase weiterhin bei null Reparaturpunkten verharrt, verdeutlicht, wo der Hersteller nach wie vor eine unnachgiebige Grenze zieht.
Hardware-Design beugt sich dem Recht auf Reparatur
Zehn Jahre lang produzierte der Konzern aus Cupertino hunderte Millionen nicht reparierbarer Kopfhörer. Beim permanenten Tauziehen zwischen Miniaturisierung, Schutz vor Wasser und Schmutz sowie Wartungsfreundlichkeit entschied sich Apple stets gegen die Reparierbarkeit – mit riesigen Bergen an Elektroschrott als Folge.
Nun hat dieser Schutzwall einen ersten Riss bekommen. Getrieben von immer strengeren Gesetzen zum Recht auf Reparatur in der Europäischen Union und weltweit sowie dem wachsenden Kundenwunsch nach Langlebigkeit stößt das Konzept des reinen Wegwerfartikels an seine Grenzen. Zwar stellt Apple im Rahmen seines Self-Service-Repair-Programms bislang weder Originalersatzteile noch offizielle Handbücher für die AirPods bereit, doch die physische Demontierbarkeit spricht eine deutliche Sprache.
Die AirPods 5 beenden das zerstörerische Schicksal ihrer Vorgänger. Bei seinem absatzstärksten Zubehörprodukt hat Apple dem Recht auf Reparatur endlich ein spürbares Zugeständnis abgerungen.
Referenz-Links:
- AirPods 5 Are the Least Unrepairable AirPods Yet